Schmetterlinge

 

Jeder Schmetterling beginnt sein Leben erst einmal als Raupe.

Als Raupe dümpelt man dahin, man weiß nicht, wozu man da ist, was für einen Sinn dahinter steckt, zu was man einmal wird, wie man einmal wird. Man ernährt sich, man passt auf, dass man nicht gefressen wird, das ist nicht einfach, das Leben birgt viele Gefahren.

Dann vielleicht irgendwann, wenn du eigentlich zufrieden scheinst mit deinem Leben, kann es aber passieren, dass du was anderes möchtest, dann fragst du dich, war es das schon?

Du beginnst nach zudenken, fällst in Starre, baust dir deinen Kokon. Nichts und niemand kann da eindringen.

Du bist nur mit dir selbst und in dir selbst.

Du lässt dein bisheriges Leben an dir vorbeiziehen, immer noch nicht wissend, was aus dir wird.

Dann kommt der Tag, an dem du versuchst auszubrechen aus deiner Starre, deinem Gefängnis. Wenn du da heraus kommst, nach schwerer, langer Arbeit, dann beginnst du vorsichtig deine Flügel zu entfalten. Die ersten Schläge sind nicht einfach, du musst noch üben.

Wenn man dann genug geübt hat, dann fängt man an, wie wild zu flattern, zu fliegen, der Freiheit entgegen.

Man kann dahin, wo man vorher nicht war, was man als Raupe nur von der Ferne bewundert hat, die Welt steht einem plötzlich offen.

Man kann mit Leichtigkeit hin gelangen, wo man als Raupe mühsam hin kriechen musste.

Auf jeden Fall wird man sich erst einmal wohl fühlen, frische Luft zu atmen, durchatmen, vom Wind getragen zu werden.

Vielleicht ist in dieser Zeit der Wandlung ein Nachtfalter aus dir geworden. Dieser Nachtfalter wird sein Leben damit verbringen in der Dunkelheit nach Licht zu suchen, es wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit eines sein, das ihn verbrennt, weil es das Falsche ist. Es verspricht Wärme, aber es zerstört.

Vielleicht hast du aber auch Glück und aus dir ist einer dieser farbenprächtigen Schmetterlinge geworden, die man auf Sommerwiesen bewundern kann, die der Sonne entgegen fliegen und dabei nicht verbrennen werden.

Weiterhin birgt das Leben auch Gefahren, du kannst unsanft berührt werden, du bist ja so zerbrechlich.

 

Wohlbefinden, nicht nur Zufriedenheit. Als Raupe war man ja wohl auch zufrieden, aber ob man sich da wohl gefühlt hat? Ich finde, da ist ein großer Unterschied. Zufrieden heißt doch, es könnte schlimmer sein. Also kann man zufrieden sein, aber sich dabei nicht wohl fühlen. Wenn man sich wohl fühlt, dann ist man auch zufrieden.

Ja, Raupe und Schmetterling, dazwischen liegt die Zeit der Entscheidung und der Mut, aus deinem Kokon heraus zu kommen.

Metamorphose heißt das wohl doch.

Manche werden als Raupe leben, manche werden im Schutz ihrer Kokons bleiben, manche werden fliegen

 

zurück zur Übersicht

      

 

© Christine Münzenberger geschrieben als Mondlichtblume

 

 
Counter